Nähmaschinen, Stichsägen und andere Teufelswerkzeuge

Geordnetes Chaos. es sieht aber nicht geordnet aus. Auf dem Foto ist das Wohnzimmer der Casa von Steht zu erkennen. Auf Tisch, Fußboden und Sofa liegen diverse Gegenstände verteilt. Man sieht eine Nähmaschine, diverses Nähhandwerkszeug und ein Nähkästchen, Stoff auf dem Fußboden und dem Sofa, eine Matratze, eine Gießkanne am Fenster, eine weiße Kuscheldecke und ein Kissen auf dem Sofa, Hundespielzeug von Polly auf dem Fußboden verteilt und natürlich Polly selbst, die interessiert das Ganze beobachtet.


Wie kann es sein, dass der Ausbau von 0,40 x 1,60, einer Fläche von sage und schreibe 0,64m², ein ganzes Haus blockiert! Das geht!

Mein Haus ist komplett in Beschlag genommen. Überall finden sich Bauteile, Farben, Schrauben, Stoffe und Werkzeuge. Es sieht aus, als ob die Bombe eingeschlagen hätte. In der Diele: Werkzeug, Farbe, Rollen, Pinsel; Holzbauteile im Keller; Matratze und Stoffe im einen, Nähmaschine und Rückenpolster im anderen Zimmer! Und nein, das liegt nicht an meiner Unordnung, sondern an meinem Bemühen, optimiert und umschichtig zu arbeiten. Je nach Zeit und Wetter. Vielleicht hast Du ja schonmal davon gehört, dass es ab und an in Hamburg regnet? Oder gerade jetzt ziemlich frostig draußen ist. Da mag man nicht zwingend raus. Selbst der Vierbeiner ist nur schwer zu motivieren. Somit verbringe an diesen Tagen Zeit mit den Dingen, die ich im Haus vorbereiten kann. z.B. Bretter sägen und streichen, oder Überzüge für die Matratze nähen.

A propos Überzüge und Matratze

Mit dem ambitionierten Gedanken, ALLES selbst machen zu wollen habe ich mich natürlich auch mit der passenden Schlafunterlage beschäftigt.

Eine Matratze war schnell bestellt und zugeschnitten. Soweit so gut.
Die Idee, eine größere Matratze zu nehmen, diese in zwei Teile zu schneiden, um somit entweder das komplett ausgezogene Bett bestücken zu können, oder das kleinere Teil als Rückenlehne zu benutzen, ist jetzt nicht unbedingt hitverdächtig oder mit der Entdeckung der Relativitätstheorie gleich zu setzen, aber auch nicht soo schlecht oder?

Der nächste Step war dann schon kritischer. Es mussten natürlich auch passende Überzüge genäht werden!

Long story short: Als Näherin wäre ich verhungert!

Skeptisch ob meiner Fähigkeiten, und vor allem, ob meines Geduldsfadens, der ähnlich strapazierfähig eines Nähgarns ist, gar nicht, geht es hier frei nach dem Motto: Augen zu und durch.

Mit Hilfe diverser Videos „how to do“ und der Unterstützung meiner lieben Freundin fühlte ich mich gut vorbereitet und gewappnet und nahm die Herausforderung an.

Bis dato hatte ich mich weder mit Stoffen, noch mit Nähmaschinen intensiver beschäftigt. Das sollte sich in den nächsten Wochen grundlegend ändern. Gefühlt kenne ich zwischenzeitlich alle Hamburger Nähmaschinenwerkstätten, Stoffläden und Nähfachgeschäfte.

Wie immer bin ich voller Enthusiasmus und völlig unbedarft an das Projekt ran gegangen. Ich hatte null Ahnung von dem was ich da vor hatte, aber ich hab einfach mal gemacht. Es wird sich schon finden.

Nun, bereits im ersten Stoffladen fühlte ich mich hoffnungslos überfordert. Warst Du schonmal im Stoffladen? Ich nicht! Und genauso lost war ich da drin. Planlos irrte ich von einer Stoffrolle zur nächsten, bis sich eine Verkäuferin erbarmte. Mit Ihrer Hilfe kam ich meinem Ziel einen winzigen Schritt näher. Überzugsstoff und Vorhangstoff hatte ich schonmal.

Gemeinsam, mit meiner Freundin habe ich mich dann ans nähen gemacht. Das hat auch super geklappt. Sie weiß´ ja was sie tut. Wir kamen gut voran. Aber irgendwann ist selbst bei größter Motivation die Luft raus. Hinzu kam, wir beide, kurz über 25, konnten im Dämmerlicht gar nichts wirklich mehr sehen. Jedes Einfädeln wurde zum Glückstreffer, also haben wir unser Werk für den Tag beendet.

Und weil meine liebe Freundin mir so sehr vertraut, oder sollte ich eher sagen, mir so viel zutraut, hat sie mir ihre Maschine geliehen. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf!

Ich kann Dir nicht sagen, wie oft ich Nadeln abgebrochen, mir in den Finger gestochen, oder gar die Maschine so ruiniert habe, dass sie in die Werkstatt musste. Mehrfach! Und, Du glaubst es nicht: Parallel, denn zwischenzeitlich hatte ich mir noch eine zweite Maschine besorgt. Mit der kam ich aber auch nicht klar. Ich war wahlweise mal mit der einen, mal mit der anderen in der Werkstatt. Es war ein Kampf Mensch gegen Maschine! Aber am Ende habe ich gesiegt!

Mittlerweile kenne ich wie schon gesagt gefühlt alle Läden und muss hier mal eine Lanze brechen für Ricarda Henning. Ja, Werbung, gähhn, is klar, aber die waren so super kompetent, spontan, nett, hilfsbereit und verständnisvoll ob meiner verzweifelten Lage, über die wir gemeinsam herzlich gelacht haben, da muss man das ja auch mal sagen dürfen. Nicht immer nur meckern. Und gerade jetzt, in diesen nicht enden wollenden Coronazeiten, darf man das mal erwähnen und kleine Einzelhändler unterstützen. Oder wie siehst Du das? Vor allem, habe ich dort sofort Hilfe bekommen, während ich bei anderen auch schon 3 Wochen zwischendurch auf die Reparatur der einen Nähmaschine gewartet habe. Also Daumen hoch! Deren prompte Zustimmung auf meinen Vorschlag, vom Nähen zum Stricken zu wechseln, stimmte mich dennoch kurzzeitig nachdenklich.

Unter’m Strich – das Ergebnis kann sich sehen lassen würde ich sagen. Steht Murphy gut und Polly schien sich beim Probeliegen auch wohl zu fühlen. Ich bin zufrieden! Was meinst Du?

19 Kommentare bei „Nähmaschinen, Stichsägen und andere Teufelswerkzeuge“

  1. Es ist so schön, dass du uns auf dein Abenteuer mitnimmst 🙂 Vielen Dank für die schönen Bilder von euch Zwei und die Geschichten. Bin auch schon ganz aufgeregt 😀

    1. Um dich nicht zu verwirren: Sandra Kühnle. Es gibt hier noch mehr Sandras …

    2. @Sandra K.: Liebe Sandra, ich danke dir sehr. Bis dato war ich noch nie länger alleine unterwegs, insofern ist es toll, wenn man die Erlebnisse auf diesem Weg teilen kann 🙂

  2. P.S. Murphy als rollende Bar finde ich mega🥳

    1. @Sandra: Ach Süße, du weißt ja MARMOR, STEIN UND EISEN BRICHT und im Zweifel fährt immer EIN ZUG NACH NIRGENDWO 😁😁😁😁. Ich werde dich auch vermissen…..und die Bar konfigurieren wir morgen 🤪

  3. HÖR GUT ZU, Ich habe HERZBEBEN beim Lesen Deines Artikels und ATEMLOS begleite ich Dich in Dein ABENTEUERLAND‼️
    Ich hab Dich sooo lieb und bin soooooo stolz auf Dich! Aber du wirst mir extrem fehlen…..😢

  4. Super Arbeit👍 🍷, schön das du jetzt mit den 25 jährigen mitfühlen kannst, du hast mich herzlich zum Lachen gebracht 😘

    1. @Vroni: Das freut mich sehr :). Lachen ist gesund und tut sooooo gut!

  5. Gülsün Güngör sagt: Antworten

    Aaaaahhh Andrea, mensch hätte ich das gewusst, das du so begabt bist, hätten wir öfters zusammen was herstellen können. Das sieht ganz toll aus 🤘

    1. Güsi ich kann ganz fantastisch blaue Silikonzapfen ankleben 🤣🤣🤣🤣. Ein Lob von dir in punkto nähen ist wie ein Ritterschlag 🙏🥰

  6. Super gemacht meine Süße 🙂 so langsam wirds richtig gemütlich drinnen….. und rollende Bar hört sich irgendwie nach Spaßmobil an … Komm mal ganz schnell vorbei..
    See u next
    LG aus dem black forrest

    1. Wir sehen uns definitiv Mitte März, der Plan steht, die rollende Bar, der Vierbeiner und ich 🥰

  7. Toll, dass Du nicht aufgibst und alles selber machst. Kracher!
    ich bin beim Nähen so geduldslos leider 😉 Ich vertraue da auch auf die fachkundigen Fähigkeiten meiner Nachbarschaft!

    1. @Anke U.: Wenn ich den Blogtext während des Nähens geschrieben hätte würde der sicher anders lauten ;))))

      1. Steffie ( im Moor mit Stellplatz ) sagt: Antworten

        Dies ist eine Anmeldung 🌲🌳🚐🐾🐾🥂🍹🍾🌳

        1. @Steffie: ist notiert 🤪❤

  8. Wow! Das ist ja super geworden 👍 Arbeit und Schweiß haben sich gelohnt 🤩 Muss ich mir unbedingt mal live ansehen 😘

    1. @Andrea W.: Jaaaaa, unbedingt. ich weiß´ noch nicht wie ich das hin bekomme euch alle nochmal zu sehen, aber irgendwie schon. Vielleicht wandle ich Murphy in eine rollende Bar um und komm bei jedem vorbei gefahren. Kann ja im Notfall vor der Tür schlafen :)))))

    2. Sehr schön 👍

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